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Konto erloschen – Banken spielen bei unseriösen Geschäftspraktiken nicht mit

Erst hat sich die Internetnutzerin über die Forderung aus einem angeblichen Abovertrag geärgert. Nach unzähligen E-Mails und Mahnschreiben hatte sie sich dann doch einschüchtern lassen und den geforderten Betrag überwiesen. Einige Tage später fiel ihr auf, dass es eine Rücküberweisung auf ihrem Konto gab mit der Begründung: “Konto erloschen”.

Die aktuelle Berichterstattung in den Medien, die Einführung der Button-Lösung und zahlreiche aktuelle Gerichtsurteile gegen die Betreiber solcher Webseiten und deren Erfüllungsgehilfen haben die Banken zum Nachdenken angeregt. Mittlerweile möchte offenbar keine Bank mehr mit solchen Geschäftspraktiken in Verbindung gebracht werden.

Die Wirksamkeit dieses Vorgehens hat erst kürzlich ein ehemaliger Inkasso-Anwalt in dem Buch “Tote Ratten für den Tankwart” erläutert:

Die Verbraucher hatten eine Achillesferse im System gefunden […] Es war der schlaueste Weg der sich bot, denn er grub das Wasser da ab, wo es fließen sollte. Die Banken, bei denen ich oder meine Mandanten Konten hatten, kündigten uns reihenweise die Geschäftsbeziehung (S. 114).

Wenn ich keine Konten hatte, dann konnte ich den Schuldnern auch nicht mitteilen, wohin sie ihr Geld überweisen sollten. Wenn man nicht überweisen konnte, dann kam auch nichts rein. So einfach war der Käse (S. 114).“

Die Betroffenen haben offenbar zum Gegenschlag ausgeholt und sich gemeinsam mit den Verbraucherzentralen bei den Kreditinstituten über die Betreiber und deren Inkassounternehmen beschwert. Dieses bleibt nicht ohne Wirkung:

„Das Dilemma der Banken war groß. Einerseits waren die hohen Umsätze auf meinen Konten zwar durchaus angenehm für jedes Haus, andererseits entwickelten mache Leute einen geradezu bewundernswerten Ehrgeiz, den Banken mit Kündigungen und Vorwürfen so lange zuzusetzen, dass es besser war, sich von uns zu trennen, als vom Geld zu profitieren (S. 114).“

Selbst im Ausland stellte sich kein Erfolg bei der Bankenauswahl ein:

„Das Bankenproblem war mittlerweile nicht nur lästig, nein, es wurde zunehmend fatal. Es bestand allerhöchster Handlungsbedarf. Sowohl meine Mandanten als auch ich hatten beinahe alle deutschen Bankinstitute durch und kaum noch eine wollte sich noch auf uns einlassen (S. 145).“

„Das Bankenproblem war nicht ansatzweise gelöst. Nur verschoben. Eine völlig neue Erfahrung versprachen wir uns von der türkischen Ziirat Bank. Online hatten wir dort ein Konto eröffnet und gingen davon aus, dass die vielleicht ein wenig schmerzfreier wäre, was Beschwerden anginge. Das waren sie auch. Das Konto war noch schneller gekündigt als bei ihren deutschen Kollegen und meine Beschwerde wegen Nichteinhaltens der sechswöchigen Kündigungszeit wurde völlig schmerzfrei ignoriert (S. 152).”

„… über dreihundert brave Bankkunden hatten sich über das schwarze Schaf beschwert. Schluss war’s mit Konto. Wieder mal (S. 341).“

Dass dieses ein legitimes Vorgehen ist, hat erst kürzlich das LG Frankfurt bestätigt. Die Deutsche Internetinkasso (DIG) hatte gegen das Vorgehen der brandenburgischen Verbraucherzentrale, die Banken anzuschreiben, geklagt und verloren. Das Landgericht begründete die Entscheidung damit, dass die DIG Forderungen eintreibt, die unter Verstoß von § 1 Abs. 6 Preisangabenverordnung erschlichen worden sind. Außerdem handelt es sich nach Auffassung des Gerichts um eine von Art. 5 Grundgesetz umfasste freie Meinungsäußerung. (Quelle: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein)